Fidel Castro Ruz - Das Englische U-Boot (de)
June 25th, 2007
“Nuestro Norte es el Sur”[1]- mit diesem Motto ist TeleSur, der erste wirklich nuestramercanische Fernsehsender, in Betrieb gegangen und er feiert am kommenden 24.Juli seinen dritten Geburtstag.
Ab dieser Ausgabe beginnt CUBA SI mit einer neuen, gleichnamigen Rubrik, in der unseren Leserinnen und Lesern Analysen und Sichtweisen aus Nuestra America vorgestellt werden.
Aktuelles, gesehen und geschrieben “desde el Sur”.
Nach seiner schweren Operation am 31.Juli letzten Jahres wiedergenesend, hat Fidel Castro in den letzten Wochen eine Reihe wichtiger Überlegungen und Kritiken zu aktuellen Entwicklungen veröffentlicht[2].
Wir beginnen die Rubrik mit Fidels Beitrag vom 21.Mai 2007.
NUESTRO NORTE ES EL SUR:
Reflexiones de Fidel: Das englische U-Boot
Die Agenturmeldungen verbreiten die Nachricht. Es gehört zur „Astute“-Klasse und ist das erste seiner Art, das in Großbritannien seit mehr als zwei Jahrzehnten gebaut wird.
„Ein Nuklearreaktor wird es ihm ermöglichen, die 25 Jahre seiner Dienstzeit zu fahren, ohne wieder Brennstoff aufnehmen zu müssen. Es erzeugt Trinkwasser und Sauerstoff für den Eigengebrauch, sodass es den Erdball ohne Auftauchen umrunden kann“, erklärte Nigel Ward, der Beauftragte der Schiffswerften, der BBC.
„Es sieht wie eine bösartige Bestie aus“ behauptet jemand.
„Über uns erhebt sich bedrohlich eine zwölf Stockwerke hohe Halle; in ihr befinden sich drei U-Boote in verschiedenen Bauphasen“, versichert ein anderer.
Jemand sagt, dass „es vom Ärmelkanal aus den Kreuzschiffverkehr in der Bucht von New York beobachten kann, sich der Küste nähern kann, ohne entdeckt zu werden und Handy-Gespräche abhören kann“. „Es kann außerdem Spezialtruppen in Mini-Tauchbooten befördern, die ihrerseits die tödlichen Tomahawk-Raketen auf eine Entfernung von 1 400 Meilen abschießen können“, versichert ein vierter.
Die chilenische Zeitung El Mercurio verbreitet die Nachricht in aller Ausführlichkeit.
Die britische Royal Navy erklärt, dass das neue „Astute“- U-Boot zu den bestentwickelten seiner Art in der Welt zählen wird. Das erste U-Boot wird am 8. Juni 2007 vom Stapel gelassen und im Januar 2009 in Dienst gestellt werden.
Es kann bis zu 38 Marschflugkörper „Tomahawk“ und Torpedos „Spearfish“ befördern, die in der Lage sind, ein großräumiges Kriegsschiff zu zerstören. Es wird eine ständige Besatzung von 98 Marinesoldaten haben, die sich sogar Filme auf Plasma-Großbildschirmen anschauen werden können.
Das neue „Astute“-U-Boot wird mit der neuesten Torpedo-Generation „Block 4 Tomahawk“ ausgerüstet sein, welche sogar noch im Angriffsflug umprogrammiert werden können. Es wird das erste U-Boot sein, das nicht über ein konventionelles Periskopsystem verfügt, sondern Glasfaser, Ultrarotstrahlen und thermisches Bildscannen verwenden wird.
„Die Rüstungsfirma BAE Systems wird weitere zwei U-Boote derselben Klasse bauen“, informierte AP. Die Gesamtkosten für die drei U-Boote belaufen sich nach Berechnungen, die sicherlich unter dem wirklichen Aufwand liegen, auf 7,5 Milliarden Dollar.
Wunderbare britische Heldentat! Das intelligente und beharrliche Volk jenes Landes wird darauf sicherlich überhaupt nicht stolz sein. Am meisten befremdet es, daß mit dieser Geldsumme 75 tausend Ärzte ausgebildet und 150 Millionen Menschen ärztlich betreut werden könnten, wenn man davon ausgeht, daß der Aufwand zur Ausbildung eines Arztes ein Drittel von dem ausmacht, was eine Arzt- Ausbildung in den USA kostet. Wenn man wollte, könnten damit auch etwa 3 000 Polikliniken mit hoch entwickelter Ausstattung gebaut werden, etwa zehnmal mehr als die Anzahl der Kliniken, die wir in unserem Land haben.
Kuba bildet zurzeit zehntausende junge Menschen anderer Länder als Ärzte aus.
In gleich welchem abgelegenen Dorf Afrikas ist ein kubanischer Arzt in der Lage, einen Jugendlichen dieses Ortes oder der größeren Gemeinde aufzunehmen und, wenn dieser eine der 12-jährigen entspreche Schulbildung hat, ihm die Kenntnisse des Artztberufes zu vermitteln, mit Hilfe von Videos und Computer, die mit Solarzellen betrieben werden. All das, ohne daß der Jugendliche seine Heimat verlassen muß, ohne daß er sich vom Konsumverhalten der großen Städte anstecken lassen muß.
Das Wichtige sind die Patienten, die an Malaria oder an den vielen anderen typischen und unverwechselbaren Krankheiten leiden und die der Student an der Seite des Arztes erkennen wird.
Die Methode wurde mit erstaunlichen Ergebnissen erprobt. Die Erkenntnisse und die Praxis, welche im Laufe der Jahre gesammelt wurden, sind unvergleichlich.
Die gemeinützige Ausübung der Medizin kann jedes edle Herz zu gewinnen.
Kuba hat sich seit dem Sieg der Revolution um die Ausbildung von Ärzten, Lehrern und anderen Fachleuten bemüht. Mit seinen knapp 12 Millionen Einwohnern hat Kuba heute mehr Ärzte in „Integraler Allgemeinmedizin“, als in ganz Afrika südlich der Sahara zur Verfügung stehen und wo mehr als 700 Millionen Menschen leben.
Man muss sich tief erschüttert verneigen angesichts der Nachrichten, die über das englische U-Boot erscheinen. Sie zeigen uns unter anderem, mit welch hoch entwickelten Waffen versucht wird, die unhaltbare Weltordnung zu erhalten, die vom imperialen System der USA entwickelt worden ist.
Man darf nicht vergessen, dass England jahrhundertelang, bis vor sehr kurzer Zeit, die Königin der Meere war. Heute ist das, was von dieser privilegierten Position übrig geblieben ist, kaum ein Bruchteil der hegemonialen Macht seines Verbündeten und Führers, der USA.
Churchill sagte: Versenkt die Bismarck! Heute sagt Blair: Versenkt das, was vom Prestige von Großbritannien übrig geblieben ist!
Dafür, oder für den Holocaust unserer Gattung, ist es nützlich, ihr „wunderbares U-Boot“.
Fidel Castro Ruz21. Mai 2007,17:00(Übersetzung: Dank an die cubanische Botschaft Wien, überarbeitet B. Widder/ CT, 30. Mai 2007)
[1] “Norte” bedeutet auf Spanisch sowohl “Norden, Nordpol” als auch “Wegweiser, Ziel”. Dementsprechend wäre unter “Nuestro Norte es el Sur”zu verstehen: “Unsere Orientierung ist der Süden”, ein selbstbewußtes: “Was Euch der Norden ist, ist uns der Süden”, eine Zurückweisung des (Kultur-) Kolonialismus des Nordens, und vor Allem eine neue Haltung, die den eigenen Wurzeln und der eigenen Stärke vertraut. Für den Norden gilt die Einladung, zu wirklich respektvollen Beziehungen mit dem Süden zu finden und auch, vom Süden zu lernen… wenn wir das Gleichgewicht der Welt finden wollen.
[2] Unter anderem analysierte und kritisierte er aufs Schärfste die US- Pläne, in riesigem Ausmaß Grundnahrungsmittel (erzeugt im Süden) für die Treibstofferzeugung (verbraucht im Norden) einzusetzen zu wollen. Vereinfacht gesagt: Essen können oder Auto fahren. Das hat im Sur breite Aufmerksamkeit und Diskussion hervorgerufen- hier ist dieser neuerliche Angriffsplan auf die Lebensgrundlagen großer Bevölkerungsmehrheiten kein Medien-Thema. Noch nicht?